Verbund: Ergebnisrückgang trotz höherer Erzeugung
Wien (energate) - Verbund legt mit der Jahresbilanz für 2024 einen deutlichen Ergebnisrückgang vor. Ein Grund dafür ist das außerordentlich hohe Ergebnis im Jahr zuvor. Der wichtigste Treiber waren jedoch gesunkene Preise im Großhandel und damit geringere Einnahmen mit dem Stromverkauf. Die Erzeugung dagegen ist dank einer überdurchschnittlichen Wasserführung um knapp ein Zehntel gestiegen. "Nach historischen Verwerfungen in den Vorjahren ist 2024 eine gewisse Normalisierung eingekehrt. Aber auch das Vorjahr war für die Energiewirtschaft in jeder Hinsicht schwer planbar und hochvolatil", sagte Konzernchef Michael Strugl bei der Präsentation der Zahlen in Wien.
"Erfreuliches Ergebnis": Details und Ausblick
Die Ergebnisse im Detail: Der Umsatz des teilstaatlichen Unternehmens sank im Geschäftsjahr 2024 um 21 Prozent auf 8,2 Mrd. Euro. Das Vorsteuerergebnis (Ebitda) ging auf 3,5 Mrd. Euro zurück, das operative Ergebnis 2,7 Mrd. Euro. Damit verschlechterten sich diese beiden Kennzahlen um jeweils 22 Prozent. Unter dem Strich steht bei dem um Einmaleffekte bereinigten Konzernergebnis ein Minus von 24 Prozent auf 1,98 Mrd. Euro. Für das Gesamtjahr 2025 rechnet Verbund mit einem Ebitda zwischen 2,7 Mrd. und 3,3 Mrd. Euro und mit einem Konzernergebnis zwischen 1,35 und 1,75 Mrd. Euro.
"Trotz aller Volatilität und Unsicherheit ist das ein erfreuliches Ergebnis", betonte Finanzvorstand Peter Kollmann. Die Erzeugung habe Verbund um neun Prozent gesteigert. "Aber der Faktor, den wir nicht beeinflussen können, ist der Preiseffekt am Markt." Im Schnitt habe Verbund im Jahr 2023 einen Preis von 167 Euro/MWh realisieren können. 2024 ging dieser Wert auf 118 Euro/MWh zurück. "Jeder Euro weniger entspricht einem Rückgang von 25 Mio. Euro in unserem Ebitda", erläuterte Kollmann.
Zwei Drittel der Erzeugung 2025 schon verkauft
Verbund verkauft rund 80 Prozent seiner eigenen Erzeugung auf Terminmärkten und den Rest auf Spotmärkten. Im laufenden Jahr hat das Unternehmen zwei Drittel seiner zu erwartenden Erzeugung bereits verkauft, und zwar für 117,5 Euro. "Absehbar ist es, dass sowohl die Strompreise als auch die Gaspreise weiter sinken. Bei Strom ist für 2026 ein Niveau von 60 Euro sichtbar. Und bei Gas rechnet der Terminmarkt mit einem Rückgang von derzeit 40 Euro/MWh auf 30 Euro/MWh im nächsten Jahr", so Kollmann.
Kritik an der Energiepolitik national und international
Beide Vorstände geben sich mit Blick auf die neue Regierungskoalition aus ÖVP, SPÖ und Neos zuversichtlich. Es sei zu erwarten, dass der Energiepolitik eine hohe Priorität eingeräumt werde. Trotzdem äußern sie sich auch kritisch - sowohl zum nationalen als auch zum internationalen Geschehen. Bei der Energietransformation in Österreich sei bisher nicht auf die systemische Ausgewogenheit geachtet worden, beklagte Konzernchef Strugl.
Finanzvorstand Kollmann verweist in diesem Punkt auf die Entscheidung der deutschen Ampel-Regierung, Gaskraftwerke zuzubauen. "Es ist erstaunlich, dass hier die führende Wirtschaftsmacht Europas - und immer noch auch der Welt - nach vielen Jahren zu der überraschenden Erkenntnis gelangt, dass Schwankungen im System einen Ausgleich brauchen."
"Kommission ohne Antwort auf Preisdiskussion"
Auf europäischer Ebene habe Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen während der Energiekrise 2022 keine Antworten auf den massiven Preisanstieg gefunden. Auf Vorschläge, das Marktdesign umzugestalten, habe sie mit einem neuen Regelwerk reagiert. "Im Kern geht es dort darum, Gewinne abzuschöpfen und diese dann umzuverteilen. Allerdings hat diese Maßnahme das Gegenteil von Preissenkungen erreicht", führte Strugl aus. Sowohl der "Draghi-Report" als auch der im Februar vorgestellte "Aktionsplan" würden zeigen, dass die Kommission sich weiter Gedanken über niedrigere Energiepreise mache - "aber konkrete Antworten sehen wir bis heute nicht." /pm