Verbund-Chef plädiert für mehr Investitionen in Erneuerbare
Berlin/Wien (energate) - Der Chef von Österreichs größtem Stromversorger hat für die Energiebranche als Motor für die Gesamtwirtschaft geworben. Die österreichische Energiewirtschaft plane Investitionen in Milliardenhöhe. "Das ist ein Konjunkturbelebungsprogramm der Sonderklasse", sagte Michael Strugl, CEO der Verbund AG, im energate-Interview. Eine neue Regierung aus der rechtspopulistischen FPÖ und der christdemokratischen ÖVP müsse daher Investitionssicherheit bieten.
Zum ersten Mal könnte die FPÖ in Österreich den Kanzler stellen. Zugleich geht es der Wirtschaft schlecht. In der österreichischen Politik kamen in jüngster Zeit vermehrt Stimmen auf, die dafür plädierten, die Transformation hin zu Erneuerbaren zu bremsen, um die Wirtschaft zu entlasten. Strugl plädiert jedoch für das Gegenteil. "Wir helfen dabei, dass wir uns als Land aus der Wirtschafts- und Konjunkturkrise herausinvestieren", zeigte sich der Verbund-Chef überzeugt.
Investitionen von 100 Mrd. Euro
Die österreichische Wirtschaft befand sich in den vergangenen zwei Jahren in einer Rezession. 2024 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt um 0,6 Prozent, im Jahr davor um 1 Prozent. Beim Konsum und bei privaten Investitionen gebe es Zurückhaltung und auch der Staat müsse sparen, fasste Strugl die Lage zusammen. Die österreichische Energiewirtschaft plane dahingegen bis 2040 Investitionen in Höhe von 100 Mrd. Euro, Verbund kalkuliere mit 5,5 Mrd. Euro in den nächsten drei Jahren.
Dies abzuwürgen, sei "wirtschaftlich und politisch unklug". Investitionen in erneuerbare Energien seien wirtschaftlich vernünftig und notwendig. Sie erhöhten die Versorgungssicherheit und das Angebot und das sei gut für niedrigere Preise. Zudem seien erneuerbare Energien günstiger als fossile Importe und sie verringerten Abhängigkeiten. "Deshalb sollten wir uns in Europa resilienter aufstellen und so viel Energie wie möglich selbst erzeugen", schlussfolgerte Strugl. Es gebe Umbaukosten, mit einem "klugen, integrierten Ansatz" ließen sich die Systemkosten aber perspektivisch in Grenzen halten.
Strugl will klaren Transformationspfad
Die Verbund AG befände sich inmitten einer großen und langfristigen Transformation. Strugl hofft daher auf einen klaren Transformationspfad der neuen Regierung. "Wir fangen nicht damit an, wir sind längst unterwegs, aber auch noch nicht am Ziel", so Strugl. "Deshalb brauchen wir Investitionssicherheit nicht für ein oder zwei Jahre, sondern für eine deutlich längere Zeit", sagte der Verbund-Chef. Die Energiewirtschaft brauche einen stabilen Rechtsrahmen und einen gesicherten regulatorischen Rahmen.
Was genau FPÖ und ÖVP energiepolitisch vorhaben, lässt sich noch nicht konkret sagen. Es gab aber erste Ankündigungen, nach denen die beiden Parteien bestimmte Förderkürzungen im Energiebereich planen. Für Strugl ist das kein Alarmsignal. Wenn beispielsweise die Förderung für E-Autos zurückgedreht werde, sei das zwar bedauerlich und eine Bremse bei der Elektromobilität. "Auf der anderen Seite sind wir aber überzeugt, dass sich in der Mobilität früher oder später marktgetrieben ein veränderter Technologiemix durchsetzen wird", so Strugl.
Appell an Parteien, Gesetzesvorhaben zuzustimmen
Der CEO drängt darauf, die aus seiner Sicht drei wichtigsten Gesetzesvorhaben umzusetzen. Die Vorgängerregierung hatte eine Novellierung des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes geplant, dafür aber nicht die benötigte Zweidrittelmehrheit im Parlament bekommen. Ohne die Novellierung fehle den Unternehmen aber die Rechtsgrundlage für Investitionen in Netze und Speicher, erklärte Strugl. Auch das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz brauche Zustimmung. Sonst werde der Ausbau verschleppt. Ohne das Gaswirtschaftsgesetz verzögert sich außerdem der Aufbau der Wasserstoffwirtschaft. "Und jedes Jahr, das wir verlieren, kostet Geld", so Strugl.
Er appelliert an die Parteien im österreichischen Parlament, den Gesetzesvorhaben zuzustimmen. Bei den Parlamentswahlen im September war zwar die in Teilen als rechtsextrem eingestufte FPÖ mit 29 Prozent größte Partei geworden, zuerst wollte aber keine andere Partei mit dem Parteichef Herbert Kickl regieren. ÖVP, SPÖ und die Neos verhandelten über eine Koalition, danach versuchten ÖVP und SPÖ eine Regierung zu bilden. Auch diese Gespräche scheiterten. Seitdem unterhandeln FPÖ und ÖVP, die schon in den 2000er Jahren und zwischen 2017 und 2019 Koalitionen gebildet hatten, allerdings immer unter ÖVP-Regierungschefs. Im Parlament komme es nun aber auf die SPÖ, die Grünen oder die Neos an, so Strugl. Diese könnten für die benötigte Zweidrittelmehrheit bei den Gesetzesnovellierungen sorgen.
"Ja, die Lage ist schwierig, ich bin aber immer optimistisch. Denn es geht bei Energie um das Wohl unseres Landes", so Strugl. Er sei zuversichtlich, dass sich alle Parteien dessen bewusst seien. Österreich brauche in Energiefragen einen gemeinsamen Schulterschluss. /kij/cs
Das ganze Interview mit Michael Strugl lesen Sie hier.