Zum InhaltZum Cookiehinweis

RSS Feed

Redispatch mal anders

Bayreuth/Amprion (energate) - Die beiden Übertragungsnetzbetreiber Amprion und Tennet planen einen gemeinsamen Pilotversuch zum kurativen Redispatch in der Übertragungnetzregion Emsland. Der kurative Redispatch könnte im Vergleich zur heute geübten Praxis des präventiven Redispatchs "erhebliche Kosten" einsparen, so die Hoffnung der Netzbetreiber. Der Pilot mit den Namen "Kupilot" soll im dritten Quartal 2025 starten und über ein Jahr laufen.

 

Bislang führen die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Redispatchmaßnahmen ausschließlich präventiv durch. Prognostizieren sie einen Netzengpass, so treffen sie im Vorhinein Maßnahmen, um die n-1-Sicherheit zu gewährleisten. Dazu weisen sie Anlagenbetreiber an, ihre Produktion hoch- oder runterzufahren. Dabei wird die Einspeisung vor einem Engpass reduziert und dahinter erhöht. Diese vorsorgliche Maßnahme erweist sich im Nachhinein aber oft als unnötig - nämlich immer dann, wenn die parallel installierte Infrastruktur (n-1) zuverlässig funktioniert. Dies dürfte in den meisten Fällen der Fall sein.

 

Kurativer Redispatch fokussiert sich auf Ausfall von n-1-Betriebsmitteln

 

Ein Redispatch, der nur dann zum Einsatz kommt, wenn er wirklich benötigt wird, dürfte deutlich kostengünstiger sein. Daher wollen Amprion und Tennet einen solchen im Rahmen des "Kupilot - Kurative Pilotierung eines Redispatches für die Übertragungsnetzregion Emsland" testen. Zwar identifizieren die ÜNB auch beim kurativen Redispatch im Vorhinein potenzielle Netzengpässe. Im Gegensatz zum präventiven Netzengpass beheben sie diese jedoch nicht vollständig ex ante. Stattdessen bereiten sie entsprechende Maßnahmen vor. Gleichzeitig nehmen sie eine Höherauslastung des Netzes bis zum temporären thermischen Grenzwert der Leitung in Kauf. Fällt dann tatsächlich ein n-1-Betriebsmittel aus, kommen die vorbereiteten Maßnahmen zum Einsatz. Dabei werden die dauerhaft zulässigen Grenzwerte im Gegensatz zum präventiven Redispatch kurzzeitig überschritten.

 

Kupilot integriert Offshore-Anlagen und Pumpspeicher

 

Im Projekt "Kupilot" stellen das Pumpspeicherkraftwerk Vianden in Luxemburg positive und Offshore-Windkraftanlagen negative Redispatch-Mengen zur Verfügung, jeweils im Umfang von 200 MW. Bei einem Betriebsmittelausfall würden die Windkraftanlagen heruntergeregelt. Gleichzeitig liefere das sich hinter dem Engpass befindliche Pumpspeicherkraftwerk Strom. Zwei Tage vor einem möglichen Einsatz erhält RWE als Betreiberin des Pumpspeicherkraftwerks Bescheid, damit sie die Strommengen nicht anderweitig vermarktet. Für 2025 sind vier Testfahrten geplant. Damit soll sichergestellt werden, dass der kurative Redispatch im Bedarfsfall auch richtig automatisch ausgelöst wird. Die Anlagenbetreiber werden entsprechend vergütet. Dabei erhalten die Windkraftbetreiber einmalige Kosten für die Umrüstung ihrer Systeme sowie darüber hinaus eine Entschädigung im Einsatzfall. Solche Abrufkosten werden auch dem Pumpspeicherkraftwerk erstattet, zusätzlich erhält die Betreiberin hier noch ergangene Erlöse aus dem Sekundärregelleistungsmarkt sowie eine Fixvergütung. /sd

Zurück