Quadra Energy größter Direktvermarkter
Aachen (energate) - Quadra Energy ist zum größten Direktvermarkter aufgerückt. Mit einem Portfolio von 10.400 MW übernahm das Unternehmen den ersten Platz von EnBW (9.350 MW), die die letzten beiden Jahre an der Spitze stand. Das geht aus einer aktuellen Umfrage von energate zur Direktvermarktung hervor. Zuvor war jahrelang Statkraft der größte Direktvermarkter gewesen. Jetzt erreicht das Unternehmen mit 6.600 MW wie im Vorjahr nur noch den 4. Platz, hinter Next Kraftwerke mit 8.475 MW.
Auf Platz 5 rückt erstmals Danske Commodities (5.850 MW), gefolgt von MVV Energie auf Platz 6 (5.500 MW). Im vergangenen Jahr war Baywa Re noch fünfter, nun ist das Unternehmen nur noch auf Platz 9. Wohl insbesondere wegen der angeschlagenen wirtschaftlichen Situation des Mutterkonzerns sank das Direktvermarktungsportfolio des Unternehmens massiv um 26 Prozent auf 4.690 MW. Baywa Re gibt sich jedoch optimistisch, im kommenden Jahr erneut wachsen zu können. Das Sanierungsgutachten zeige positive Zukunftsaussichten und das damit im Zusammenhang stehende Transformationsprogramm fokussiere sich unter anderen auf den Energiehandel.
Stärkste Zugewinne bei Engie
Deutliche prozentuale Zugewinne verbuchte hingegen Engie. Die vermarktete Menge stieg um 49 Prozent auf 5.288 MW (8. Platz). Engie erklärte den Anstieg insbesondere mit einer deutlich verbesserten Automatisierung im Angebotsprozess. Dadurch habe das Unternehmen an mehr Ausschreibungen teilnehmen können. Auch im PPA-Bereich sei man erfolgreich gewesen.
Ebenfalls hohe Zuwächse verbuchten Eon (+33 % auf 4.207 MW, Platz 10) sowie die Kölner Rheinenergie (+31 % auf 454 MW), aber auch Ane Energy, RWE und Gewi. Da der Markt insgesamt gewinnt, gilt dies auch für die meisten Unternehmen - nur bei sieben der 28 antwortenden Direktvermarkter fiel das Portfolio kleiner aus als im Vorjahr. Insgesamt belief sich das Direktvermarktungsvolumen der befragten Unternehmen auf 98.884 MW - der Markt dürfte damit insgesamt die 100.000er-Marke geknackt haben.
Offshore-Vermarktung vor allem durch Konzerne
Quadra Energy ist nicht nur der größte Direktvermarkter, sondern weist mit 8.570 MW auch das größte Wind-Portfolio auf. Weitere große Windvermarkter mit Werten von über 4.500 MW sind Statkraft (5.360 MW), Gewi (5.000 MW) und Engie (4.742 MW). Allen vier ist gemein, dass sie sich auf die Vermarktung von Onshore-Anlagen beschränken. Offshore-Anlagen vermarkten insgesamt nur acht der insgesamt 28 antwortenden Direktvermarkter, die größten sind die Energiekonzerne EnBW, Vattenfall sowie RWE mit Offshore-Portfolien von jeweils über 1.000 MW.
Speichervermarktung gewinnt an Bedeutung
Größte Direktvermarkter von Solarstrom sind weiterhin die beiden Unternehmen Next Kraftwerke (6.639 MW) und EnBW (4.700 MW). Das neu in den Markt eingetretene Unternehmen Flexpower scheint sich ebenfalls auf Solaranlagen zu fokussieren. Zwar vermarktet es "nur" 900 MW an Solarstrom, das entspricht aber 60 Prozent des Portfolios. Weitere sieben Prozent des Portfolios sind Speicher, das entspricht 100 MW.
Damit ist Flexpower neben der EnBW mit ebenfalls 100 MW zweitgrößter Speichervermarkter hinter Energy2Market mit 150 MW. Insgesamt hat das vermarktete Speichervolumen gegenüber dem Vorjahr deutlich zugenommen und wird wohl auch noch weiter wachsen. So kündigte unter anderem Centrica an, ihr Portfolio in diesem Bereich noch weiter ausbauen zu wollen.
Energy2Market ist nicht nur größter Speichervermarkter, sondern auch der größte Vermarkter von Biomasseanlagen (1.655 MW), noch vor Next Kraftwerke (1.552 MW). Die beiden hatten schon im Vorjahr die Rangliste angeführt. Die meisten KWK-Anlagen vermarktet EWE Trading (320 MW).
Aussicht: Mehr Bedarf an Flexibilitäten
Der von den Marktteilnehmern erwartete Zubau von Speichern spiegelt auch die zunehmend notwendige Flexibilisierung des Erneuerbaren-Erzeugungsparks wider. Von Next Kraftwerke heißt es, Anlagen, die nicht gut regelbar seien, würden es zunehmend schwer haben, eine Vermarktung zu akzeptablen Rahmenbedingungen zu finden. Energy2Market ergänzte: "Auch für PV-Anlagen wird es einen zunehmenden Bedarf geben, in negativen Stunden nicht mehr zu produzieren."
Naturstrom rechnet allerdings nicht damit, dass der Zubau von Flexibilitäten mit dem zunehmenden Bedarf Schritt halten wird. Die Anzahl negativer Stunden werde daher zunehmen. Enercity erwartet eine weitere Zunahme der Preisvolatilität an den Strommärkten. Ane Energy prognostiziert denn auch sinkende Marktwerte insbesondere bei Solar. Hintergrund ist, dass sich viele Solaranlagen - im Gegensatz zu den Windkraftanlagen - nicht abregeln lassen. Die Ampelregierung hatte daher ursprünglich eine Direktvermarktungspflicht für Anlagen ab 25 kW geplant, allerdings sind nicht alle Vermarkter bereit, solch kleine Mengen auch zu vermarkten.
Wieder mehr Festvergütungen?
In den vergangenen beiden Jahren wurden die bisherigen Festpreisvergütungen zu großen Teilen von flexiblen Entgelten abgelöst. Dies könnte nach Einschätzung von Syneco aber zum Teil wieder revidiert werden: "Wir beobachten vereinzelt, dass wieder Direktvermarktungsverträge mit Festpreisvergütungen angeboten werden und erwarten, dass sich dieser Trend in der Zukunft wieder verstärken wird." Für die Direktvermarkter sei dies "mit mehr Chancen, aber auch mit mehr Risiken" verbunden.
Für die Direktentwickler entscheidend ist zudem, wie es von politischer Seite weitergeht. Engie sieht die "größte Schwäche beim politischen Vakuum". Die Trailstone Group erwartet hingegen in diesem Jahr "Klärung zum Thema Redispatch, regulatorische Sicherheiten und hoffentlich Bürokratieentlastung". /sd
Name | MW | ggü. 2024 | |
---|---|---|---|
1 | Quadra Energy | 10.400 | +9,5 % |
2 | EnBW | 9.350 | -2,2 % |
3 | Next Kraftwerke | 8.475 | +12,1 % |
4 | Statkraft | 6.600 | -5,7 % |
5 | Danske Commodities | 5.850 | +0,9 % |
6 | MVV | 5.500 | -3,5 % |
7 | Gewi | 5.300 | +23,3 % |
8 | Engie | 5.288 | +48,5 % |
9 | Baywa Re | 4.690 | -26,1 % |
10 | Eon | 4.207 | +32,6 % |
11 | Vattenfall | 4.175 | +5,3 % |
12 | Trailstone | 3.500 | n.b. |
13 | RWE | 3.100 | +25,0 % |
14 | EWE | 3.065 | +3,7 % |
15 | Centrica | 2.700 | n.b. |
16 | Energy2Market | 2.606 | +4,8 % |
17 | Trianel | 2.600 | +8,3 % |
18 | Stadtwerke München | 2.415 | -6,0 % |
19 | Ane Energy | 2.030 | +26,9 % |
20 | Flexpower | 1.500 | n.b. |
21 | Enercity | 1.089 | n.b. |
22 | Naturstrom | 1.071 | n.b. |
23 | Suedweststrom | 970 | -11,8 % |
24 | Lechwerke | 800 | +/-0 % |
25 | Enervie | 687 | +11,3 % |
26 | Syneco | 462 | -5,7 % |
27 | Rheinenergie | 454 | +30,8 % |
Der Artikel wurde am 20.01 korrigiert. In der Ursprungsversion hieß es: "Energy2Market ist nicht nur größter Speichervermarkter, sondern auch der größte Vermarkter von Biomasseanlagen (1.655 MW), noch vor EnBW (1.552 MW)." Das ist falsch. Zweitgrößter Biomasseanlagen-Vermarkter ist Next Kraftwerke mit 1.552 MW.