PPAs: günstig, grün - und im Trend
Essen (energate) - Langfristige Stromabnahmeverträge (PPAs) erfreuten sich auch im Jahr 2024 großer Beliebtheit. In ganz Europa wurden im vergangenen Jahr 317 PPAs zu Anlagen mit rund 15.800 MW neu abgeschlossen, wie aus Daten des Marktanalysehauses Pexapark hervorgeht. "Mit PPAs lassen sich Erneuerbarenanlagen auch ohne Subventionen ans Netz bringen. Das ist volkswirtschaftlich wünschenswert", erklärte Jannik Carl, Experte für erneuerbare Energien bei Aurora Energy Research, im Interview mit energate. Insbesondere die gute Vereinbarkeit von langfristigen Stromabnahmeverträgen mit anderen Subventionsmechanismen für Erneuerbarenanlagen mache PPAs so attraktiv, stellte Carl heraus.
Diese Attraktivität komme in ganz Europa an. Aber vor allem Großbritannien, die Niederlande, Deutschland und Spanien seien bei der Integration von PPAs in den Strommarkt europaweit Vorbilder. Eine "kleine Revolution" gebe es hingegen in Frankreich zu vermelden. So sei das Interesse an PPAs in Frankreich lange gering gewesen, was an alten Subventionsmechanismen für die Kernkraft gelegen habe. "Jetzt arbeitet die französische Regierung daran, PPAs attraktiver zu gestalten und stellt dafür das Marktmodell um", so der Experte.
Direktlieferverträge günstiger als Börsenpreis
Insbesondere die preislichen Vorteile gegenüber dem Börsenstrompreis machen PPAs interessant. Der "Unigy PPA Preisindex" liefert eine marktadäquate Bewertung für PPA-Strommengen aus Solar- und Windkraftanlagen. Die Bewertung erfolgt dabei analog zu den marktüblichen Vertragslaufzeiten für PPAs über eine Vertragsdauer von einem, zwei und fünf Jahren. Unigy berechnet dann anhand von verschiedenen Kriterien wie den Erzeugungsprofilen der erneuerbaren Energien sowie Volumensrisiken und Abwicklungskosten den sogenannten Fair Value eines PPAs.
Aktuell weist der Index in allen Kategorien erhebliche Sparpotenziale gegenüber den Baseload-Preisen der entsprechenden Jahreskontrakte im Börsenhandel auf. So beläuft sich etwa der aktuelle Fair-Value-Index eines einjährigen Offshore-PPAs auf 77,10 Euro/MWh, der Future Baseload hingegen lag bei 92,76 Euro/MWh. Der Preisvorteil eines Offshore-PPAs gegenüber dem Börsenpreis liegt somit bei 15,66 Euro/MWh beziehungsweise fast 17 Prozent. Noch deutlicher wird die Preisattraktivität bei fünfjährigen Solar-PPAs. Aktuell beziffert Unigy den Fair-Value-Index eines solchen Vertrags auf 44,86 Euro/MWh. An der Strombörse waren hingegen 75,75 Euro/MWh fällig - das waren somit fast 31 Euro je Megawattstunde mehr.
Tech-Firmen sind Großabnehmer
Große PPA-Deals verteilen sich auf immer mehr Länder Europas. Laut Zahlen von Pexapark kamen 2023 die fünf größten PPA-Abschlüsse noch ausschließlich aus Spanien und Deutschland. 2024 hingegen war diese Liste deutlich diverser: Zwar stammten zwei der fünf größten PPA-Abschlüsse erneut aus Spanien, die Top 5 wurde jedoch komplementiert mit PPAs aus den Niederlanden, Griechenland und Frankreich. Abnehmer des Stroms sind dabei häufig große US-amerikanische Tech-Unternehmen wie Amazon, Google und Microsoft. Allein auf Amazon gehen vier der zehn größten PPA-Abschlüsse seit Anfang 2023 mit einem Gesamtvolumen von 2.300 MW zurück. Nur drei der zehn größten Direktlieferverträge seit 2023 gingen nicht an Tech-Firmen. Der Energiehunger der Tech-Riesen ist groß, die Ziele sind ambitioniert. Amazon will 2025 klimaneutral sein, der Abschluss von PPAs hilft auf dem Weg dorthin - und forciert dabei den Erneuerbarenausbau in Europa.
Auch für Mittelstand werden PPAs interessanter
Die Pexapark-Zahlen zeigen aber auch, dass sich der PPA-Markt im vergangenen Jahr verändert hat. So gab es im Vergleich zu 2023 mehr Abschlüsse - 317 stehen 285 gegenüber - jedoch sank die dabei entwickelte Leistung von 17.317 MW auf 15.775 MW. Es wurden also mehr Verträge abgeschlossen, gleichzeitig ging die Leistung etwas zurück. Dies ist ein Indiz dafür, dass langfristige Stromabnahmeverträge auch für den Mittelstand immer attraktiver werden. Waren es jahrelang große Industrie- und Tech-Konzerne, die ihre Erzeugung auf grüne Energien umstellten, steigt aktuell auch bei Mittelständlern die Nachfrage nach PPAs an. Start-ups wie Eco2grow haben sich etwa auf die Belieferung des Mittelstandes über PPAs spezialisiert. Auch der Windkraftprojektierer PNE beobachtet, dass der Dekarbonisierungsdruck dazu führt, dass der Mittelstand ein verstärktes Interesse an PPAs zeigt.
Geschäftsmodell basiert auf gegenseitigem Vertrauen
Für Jörn Constantin Richstein, Forschungsleiter für den paneuropäischen Strommarkt bei Aurora Energy Research, ist hingegen auch klar, dass der PPA-Boom absehbar nicht in allen Märkten sofort ankommen wird. "Es stellt sich auch die Frage, ob der jeweilige Markt schon für PPAs bereit ist", sagte Richstein im energate-Interview. Es gebe eine Reihe von Bedingungen, die den Erfolg eines erfolgreichen PPA-Abschlusses beeinflussen, so Richstein weiter. "Die Banken müssen Vertrauen in das Modell haben, um es zu finanzieren. Die Abnehmer des Stroms müssen ihre Zahlungsversprechen absehbar einhalten können." Es brauche Zeit, dieses Vertrauen aufzubauen. Und überhaupt sei nicht immer klar, ob der Abschluss eines PPAs sowohl für den Käufer als auch Verkäufer finanziell attraktiv ist. "Das ist sehr marktspezifisch und lässt sich nicht verallgemeinern." /rh