Industrie will Zertifikate für Abwärme
Hamburg (energate) - Die Nutzung von Abwärme als Heizenergiequelle steht im Zuge der Wärmewende derzeit bei Energieversorgern hoch im Kurs. Für Industrieunternehmen ist die Bereitstellung derzeit allerdings wenig reizvoll. Der Kupferhersteller Aurubis setzt sich dafür ein, dass energieintensive Unternehmen diese "Leistung zur Dekarbonisierung angerechnet bekommen". Das erklärte Aurubis-CEO Toralf Haag im Interview mit energate.Sein Argument: Die Bereitstellung der überschüssigen Prozesswärme spare CO2-Ausstoß ein, erfahre jedoch im Emissionshandel keine Anerkennung - etwa in Form von CO2-Zertifikaten. Seit Beginn des Jahres beliefert Aurubis die Hamburger Energiewerke mit industrieller Abwärme. Die Partner sparen dabei jährlich bis zu 120.000 Tonnen CO2 ein, rechnete Haag vor.
Für Aurubis falle die Rendite jedoch "minimal" aus, beklagte der Unternehmenschef. "Von der rein wirtschaftlichen Betrachtung könnten wir das Geld besser in andere Projekte stecken." Dennoch hat sich Aurubis schon mehrfach für die Verwendung der Abwärme aus der Kupferproduktion entschieden, um zur Dekarbonisierung der Stadt Hamburg beizutragen. Die Forderung wiederholt sich. Bereits 2018 sagte Jürgen Schachler, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Aurubis, dass die politische Weichenstellung für Emissionsberechtigungen fehle. Diese könnten für viele Unternehmen auch als Anreiz dienen, ihre Abwärme nutzbar zu machen.
Abfallprodukt Wärme zu Fernwärme
Erst kürzlich fiel der offizielle Startschuss für das Abwärmeprojekt zwischen Aurubis und den Hamburger Energiewerken. Haag erklärte, dass dafür keine grundlegenden Änderungen im Produktionsprozess erforderlich waren, da die Anlagen bei Aurubis durchlaufen. Die Abwärme stammt aus Prozessen der Kupferraffination. Zwischenabsorber verarbeiten diese Wärme bei höheren Temperaturen, anschließend wird die Wärme über eine neu errichtete Leitung in einen Druckwärmespeicher der Energiewerke und anschließend ins Hamburger Fernwärmenetz eingespeist.
Kritik an Netzentgeltreformplänen der Bundesnetzagentur
Deutliche Kritik übte Haag derweil an den Ankündigungen der Bundesnetzagentur zur Reform der industriellen Netzentgelte. Die Regulierungsbehörde möchte das sogenannte Bandlastprivileg, bei dem energieintensive Betriebe bei einem kontinuierlich hohen Stromverbrauch entlastet werden, abschaffen. Stattdessen sollen die Netzentgelte künftig stärker eine Flexibilisierung des Verbrauchs anreizen. Die Pläne gingen "am Ziel vorbei", zeigte sich der Aurubis-CEO skeptisch. "Die von der Bundesnetzagentur geforderte Flexibilisierung des Energieverbrauchs ist für uns schwierig", sagte Haag. Aurubis könne nur limitiert zu dieser Flexibilisierung der Stromabnahme beitragen. Die bestehenden Netzentgelterleichterungen seien hingegen ein zentraler Faktor für den Kupferhersteller, "um weiterhin wettbewerbsfähig in Deutschland produzieren zu können".
Zuvor hatten auch andere Industrievertreter mit ähnlichen Argumenten die Pläne der Bundesnetzagentur kritisiert, darunter etwa die Chemieindustrie. Ursprünglich wollte die Behörde einen ersten Festlegungsentwurf noch bis Ende 2024 der Öffentlichkeit präsentieren. Dem Vernehmen nach ist inzwischen aber eher im Frühjahr damit zu rechnen. /hp