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EEX-Chef sieht keine Notwendigkeit für Kapazitätsmarkt

Essen (energate) - Die Energiebörse EEX warnt vor staatlichen Eingriffen in den Strommarkt zur Absicherung der Stromversorgung im Falle von Dunkelflauten. Statt den Bau von Gaskraftwerken zu subventionieren, sollte Deutschland voll auf den Markt setzen, forderte Peter Reitz, Vorstandsvorsitzender des Handelsplatzes, im Interview mit energate. "Es wird immer argumentiert, dass wir Kraftwerke für die Dunkelflaute brauchen. Aber wir verfügen bereits über massive Absicherungsmechanismen", argumentierte er. Sein Fazit lautete daher: "Der Markt funktioniert auch ohne Subventionen." Dass diese Absicherungen aus fossilen Kraftwerken bestehen, die perspektivisch vom Netz gehen sollen, wollte Reitz nicht gelten lassen. "Wir sind weit von Blackouts und Stromausfällen entfernt. Auch, weil wir über ein sehr gut vernetztes europäisches Stromsystem verfügen", so der Börsenvorstand.

 

Absicherungspflicht statt Kapazitätsmarkt

 

Klare Stellung bezog der EEX-Vorstandsvorsitzende auch bei der Frage nach einem Kapazitätsmechanismus. "Wir brauchen keinen Kapazitätsmarkt, sondern sollten den bestehenden Energy-only-Markt weiterentwickeln", sagte Reitz. Alternativ hat die EEX den Vorschlag unterbreitet, den Terminmarkt mit einer Absicherungspflicht für Stromlieferverträge zu stärken. So ließe sich Versorgungssicherheit bereits im Energy-only-Markt einpreisen und es entstünden Investitionsanreize für sichere Leistung und Flexibilität ganz ohne staatliche Planung und Subventionen, argumentierte Reitz. Statt den Kapazitätsmarkt mit staatlichen Mitteln auf Touren zu bringen, bräuchte es Investitionen in den Netzausbau und Flexibilitäten - was zudem auch bereits marktgetrieben geschehe. "Das wäre sehr viel billiger", so Reitz.

 

Die kritische Haltung der EEX gegenüber staatlichen Eingriffen kommt nicht überraschend, schließlich profitiert die Strombörse vom freien Handel. Im vergangenen Jahr hatte die EEX ihren Marktanteil im deutschen Stromterminmarkt auf 85 Prozent erhöht, wie Reitz verkündete. Im europäischen Stromterminhandel konnte die EEX ihre Aktivitäten um 63 Prozent steigern. Entsprechend sprach sich Reitz - statt nationaler Alleingänge - für eine weitere Internationalisierung des Marktes aus. "Das europäische Stromsystem bringt viele Wohlfahrtsgewinne für uns alle mit sich. Wer da auf nationale Insellösungen setzt, macht den Strom für alle teurer", warnte Reitz.

 

Dass zuletzt der deutsch-schwedische Interkonnektor "Hansa Power Bridge" gescheitert war, sieht Reitz als Beleg dafür, dass es an Aufklärung und Verständnis über die Funktionsweise des Stromhandels mangelt. Er bezeichnete es daher als eine Aufgabe der Strombörse, die Zusammenhänge des Stromhandels zu erklären und den Menschen die gesamtwirtschaftliche Sicht näherzubringen. "Uns muss bewusst sein, dass von einem integrierten Strombinnenmarkt letztlich alle profitieren", urteilte Reitz. Eine weitere Internationalisierung des Stromhandels und der internationalen Tätigkeiten der EEX bezeichnete er dann auch als Kernaufgabe der kommenden fünf Jahre. 

 

Stromhändler sprechen sich gegen Preiszonensplit aus

 

Eine Abfuhr erteilte Reitz auch dem viel diskutierten Strompreiszonensplit Deutschlands. Er verwies insbesondere auf die hohe Liquidität im gesamtdeutschen Marktgebiet. "Davon profitieren alle. Zerlegen wir diesen liquiden Markt, dann wird keiner der neuen Märkte diese Liquidität wieder erreichen." Preissteigerungen hatte es etwa auch in Österreich gegeben, nachdem das Land vom deutschen Marktgebiet entkoppelt wurde. Die Position der EEX ist insofern auch nicht neu. Bereits im Juli 2023 sprach sich Daniel Wragge von der EEX gegen einen Strompreiszonensplit mit Verweis auf die Entkopplung von Österreich aus. "Die Aufspaltung der österreichischen und der deutschen Strompreiszone hat zu erheblichen Problemen geführt", so Wragge. Eine wirkliche Erholung habe es in Österreich bis heute nicht gegeben.

 

Auch der Händlerverband Energy Traders Deutschland warnte auf der E-world in Essen vor einem Preiszonensplit. Aus seiner Sicht überwiegen die Nachteile im Falle einer Teilung Deutschlands in zwei Gebotszonen. Die Redispatch-Kosten würden dadurch nicht gänzlich verschwinden, mahnte Konrad Keyserlingk, Vorsitzender der German Taskforce Electricity im Verband. Zudem werde der Split selbst Zeit und Geld kosten. /rh

 

Das vollständige Interview mit Peter Reitz lesen Sie im heutigen Add-on Strom.

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