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Dohler warnt vor US-befeuerter Erdgas-Renaissance

Berlin/Oldenburg (energate) - Der Vorstandsvorsitzende des Energieversorgers EWE, Stefan Dohler, steht einer möglichen LNG-Schwemme aus den USA skeptisch gegenüber. "Wenn wir unsere CO2-Emissionen verringern wollen, brauchen wir grüne Gase und nicht Erdgas", sagte Dohler im Interview mit energate. Auch zur Überbrückung von Dunkelflauten durch überschüssige erneuerbare Energien seien grüne Gase die bessere Alternative, insistierte er. Der neue und alte US-Präsident Donald Trump hatte nach seinem Amtsantritt angekündigt, die Öl- und Gasförderung in den Vereinigten Staaten massiv auszubauen, und dies mit ersten Dekreten bereits angestoßen. Dies könnte zu erhöhten LNG-Importen nach Europa führen und die hiesigen Handelspreise für Erdgas dämpfen. Der Einsatz des fossilen Energieträgers könnte somit wieder in verschiedenen Anwendungsfeldern attraktiver erscheinen. 

 

CCS "eine richtig teure Angelegenheit"

 

Dohler, der zugleich Präsident des Branchenverbands BDEW ist, hielt solchen Gedankenspielen entgegen, dass der CO2-Preis die Nutzung von Erdgas Jahr für Jahr immer weiter verteuern werde. Das mache die Sache "wirtschaftlich unattraktiv". Skeptisch zeigte sich der EWE-Chef auch, was den Einsatz von CCS-Technologien an Gaskraftwerken angeht. Die Ausstattung der Kraftwerke mit entsprechender Technik sowie der Anschluss an CO2-Pipelines sei "eine richtig teure Angelegenheit", gab Dohler zu bedenken. Er habe daher Zweifel, "dass das der richtige Weg ist". 

 

Mit Blick auf die hierzulande anstehenden Neuwahlen richtete Dohler einen Appell an eine künftige Bundesregierung: "Im ersten Schritt muss eine neue Regierung möglichst kurzfristig gesicherte Leistung über Kraftwerksauktionen auf den Weg bringen", forderte der BDEW-Präsident. Die bislang vorgesehene Ausschreibungsmenge von 10.000 MW sei jedenfalls viel zu wenig. "Wir brauchen eher das Dreifache", mahnte Dohler. Die Pläne für ein Kraftwerkssicherheitsgesetz, das in einem ersten Schritt eine solche Ausschreibungsmenge für neue Gaskraftwerke vorsah, hatte das Bundeswirtschaftsministerium nach dem Ampel-Aus begraben

 

Systemkosten müssen runter

 

Als weitere dringliche Aufgabe für die neue Legislaturperiode sieht der EWE-Chef eine Eindämmung der Systemkosten im Energiesektor. Dazu gehöre auch, den Ausbau von Erneuerbaren, Speichern und Elektrolyseuren stärker dort anzureizen, wo Netzkapazitäten verfügbar sind. "Wir haben großes Potenzial, im bestehenden System Kosten zu senken", zeigte sich Dohler überzeugt. Er verwies etwa auf Vorschläge aus der Branche, beim Netzausbau wieder mehr auf Freileitungen anstelle von Erdverkabelung zu setzen. "Das könnte Milliarden sparen", gab er zu bedenken. 

 

Mit Blick auf die enormen Investitionsbedarfe in der Energieinfrastruktur warb Dohler zugleich für das Instrument eines Amortisationskontos, wie es auch zur Finanzierung des Wasserstoff-Kernnetzes vorgesehen ist. Dies sei ein geeigneter Weg, "wie man diese Zukunftsinvestitionen über die Zeit streckt, also die sehr hohe Investitionsdichte nicht zu einer Überbelastung für die heutigen Verbraucher führt." Neben einem Amortisationskonto seien aber auch andere Lösungen denkbar wie staatliche Garantien oder degressive Abschreibungsmodelle. /rb/cs 

 

Das gesamte Interview mit dem EWE-Vorstandsvorsitzenden Stefan Dohler lesen Sie im Add-on Markt & Industrie.

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